Flackerlicht

oder

Disco-Wagen?

Zum vielseitig angesprochenen und oft kontrovers diskutierten Thema „flackernde Innenbeleuchtung“ in Modellbahnwagen gibt es einige Lösungsmöglichkeiten.

Zunächst sollten aber einmal die möglichen Ursachen näher betrachtet werden, denn wenn diese bekannt sind, ist eine einfache und logische Abhilfe schneller gefunden.

Wer mit flackernden Innenbeleuchtungen keine Probleme hat, muss jetzt nicht mehr weiterlesen.

 

Die Ursachen

 

Staub

 

ist der allgegenwärtige Feind eines jeden Modellbahners, vor allem bei kleinen Spurweiten.

Der Staub legt sich permanent auf die Gleise, besonders in den Bauphasen, wenn gesägt, gebohrt und geschliffen wird.

Diese Staubablagerung merkt man recht schnell, denn die Stromaufnahme ist gestört und die Innenbeleuchtungen beginnen zu flackern.

Da hilft schon mal vorher ein „Abdecken“ mit einem ausrangierten Laken, und nach jeder Bauphase gründliches „Absaugen“ oder "Abwischen" der Schienen.

Eventuell kann auch ein Schienenreinigungswagen, der ständig in einem Güterzug „mitläuft“, den gröbsten Staub beseitigen.

Diese erste Phase der Reinigung ist die häufigste. Aber wenn man sie längere Zeit hinausschiebt, bildet sich Plaque.

 

Plaque

 

entsteht, wenn feine und feinste Ablagerungen über längere Zeit auf dem Gleisprofil liegen und sich mit der Luftfeuchtigkeit und feinen Ölresten verbinden, und einen festhaftenden Film auf den Laufflächen von Schiene und Rad bilden. Das geschieht umso häufiger, wenn man das Schienenprofil mit groben Schleifmitteln „bearbeitet“ hat. Die entstandenen Rillen und Riefen setzen sich zu und die Plaque bildet langsam, aber sicher, eine feine Isolierschicht.

 

Auf der Schiene ist das nicht immer sofort und überall sichtbar. Auf vielbefahrenen Streckenabschnitten löst sich abgetrocknetes Plaque ab und kann sich dafür auf den Laufflächen der Räder ablagern. Erkennbar an den grauen Ringen, die erst fleckig, später wie ein Haftreifen aussehen können. Gebrauchte Wagen ohne Innenlicht sind das beste Beispiel dafür.

 

Das Symptom bleibt, die Ursache wandert!

 

Die Plaque setzt sich auch zwischen Radinnenflanken oder zwischen Achsen und Schleifern fest und stört dort den Übertagungsweg des Stroms in den Wagen und zur Beleuchtung.

 

Der Strompfad zum Licht

 

Ob analog oder digital, der Strom muss

ununterbrochen fließen können.

 

Von der Einspeisung führt der Strompfad über das Gleis an die Räder und Achsen, über Schleifer und Kontaktflächen

in das Wageninnere zur Innenbeleuchtung.

 

Alle Übergänge und Kontaktflächen bilden bereits einzeln Störstellen, allein schon durch Verschmutzung und Korrosion.

 

Wenn auch nur einige Stellen im Übertragungsweg betroffen sind,

ist die Lösung recht einfach:   Putzen!

 

In den allermeisten Fällen „geht einem dann ein Licht auf“, und regelmäßige Reinigungsintervalle werden zur Routine.

 

Was man dazu benötigt, steht weiter unten.

 

Aber nicht nur der Schmutz „von oben“ stört.

Abrieb, Öl und Fett aus den Loks tragen ihren Teil dazu bei, dass die oben beschriebenen Störungen auftreten.

 

Wer schon Erfolg hatte, muss jetzt nicht mehr weiterlesen.

Frisch geputzt und flackert doch?

 

Gleisfehler

 

Selbst die intensivste Putzorgie führt zu keinem Erfolg, solange man nicht restlos alle möglichen Störquellen gefunden und beseitigt hat.

Im ersten Schritt sollte man beobachten, wo und wann die Stromunterbrechung zur Innenbeleuchtung eines Wagens auftritt. Danach beobachtet man einen ganzen Zug.

 

Tritt das Flackern auf der Anlage unregelmäßig und an verschiedenen Stellen auf, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich um eine Verschmutzung oder einen Fehler am Wagen (Schleifer) handelt.

 

Betrifft es nur einen einzelnen Wagen, diesen wie oben beschrieben überprüfen und reinigen.

 

Tritt das Flackern immer an der selben Stelle auf, obwohl gründlich gereinigt wurde, und flackern dort alle Wagen, liegt

die Ursache am Gleis.

 

Eine genaue Sichtprüfung sollte Festkörper (Streu, Späne etc.), die sich an Gleis, Weichen und Kreuzungen festgesetzt haben, ausschließen.

 

Auch Dellen und Kerben könnte man finden, die sich ebenso auswirken, wie schlechte oder gelockerte Schienenverbinder.

 

Schienenverbinder und Schiene können korrodieren, verschieben, sich lösen. Der Anlagenunterbau ist in den meisten Fällen aus fertigen elastischen Materialien, oder aus Holz, und das arbeitet bekanntlich.

 

Es ist kein Scherz, gerade ältere Anlagen sind davon oft betroffen, erst recht, wenn sie wenig benutzt werden. Bei offener Rahmenbauweise sind die Unterbausegmente oft nur aneinander gestoßen, aus unterschiedlichen Holzarten, und führen zum Schienenversatz horizontal oder vertikal.

 

Es entstehen „Stolperstellen“, die Räder abheben lassen! Besonders bei ganz leichten Wagen, die man ja etwas beschweren kann.

(Lokomotiven sind wegen ihres höheren Gewichts nicht so anfällig,

dort beginnen die Störungen an den Schleifern.)

 

Eine Reparatur ist unausweichlich.

Hilft ein Kondensator?

 

Jain!

 

Wenn die Anlage gut gebaut und sauber ist, sind Kondensatoren überflüssig!

 

Mit Kondensatoren überbrücken sie nur die Symptome,

die Ursachen beseitigen sie damit nie.

 

Je häufiger die oben beschriebenen Störungen nacheinander oder gleichzeitig auftreten, umso größer muss die Kapazität sein, um die „Drop-outs“ zu überbrücken. Den Kondensator dabei als Strompumpe zu nutzen, ist zwar ein legitimer netter Trick,

vertuscht aber nur die Bequemlichkeit.

 

Der aufgeladene Kondensator wirkt an stromloser Stelle mit seiner gespeicherten Ladung überbrückend. Er wird sich aber sofort wieder aufladen, wenn der Stromfluss erneut eintritt. Wenn nicht, gibt er weiterhin Ladung ab, bis er leer ist. Je öfter entladen wird, und die Zeit zum Wiederaufladen immer kürzer wird, umso länger dauert es, bis wieder ausreichend Ladung gespeichert ist.

 

Die benötigte Kapazität des Kondensators

gibt Aufschluss über

den Grad der Verschmutzung!

 

Man kann einen „dickeren“ Kondensator wählen, mit höherer Kapazität, aber irgendwann sind die Dimensionen erreicht, dass man über die nächstgrößere Spurweite nachdenken sollte…

 

...und dann die Optik!

 

Halbwegs ausreichende Elektrolytkondensatoren können nicht unsichtbar in den Wagen versteckt werden.

Besonders bei N- und Z-Spur.

Manch einer sägt dann von der Inneneinrichtung weg,

was nur so geht.

 

Das Chaos ist dann sogar beleuchtet…

...die Modelltreue ist dahin, die Ästhetik geht verloren!

 

Will man sich nicht gerade an einer schönen, kompletten Inneneinrichtung im Vorbeifahren erfreuen?

Kleine Figürchen, Tischlampen im Speisewagen, feinste Datails,

Durchsicht der Fenster, gleichmäßige Ausleuchtung!

 

Es wird sicher weiterhin überzeugte „Strompumpen-Fans“ geben - jedem das Seine.

 

Auf einer gepflegten und sauberen Anlage sind

dicke Kondensatoren überflüssig.

 

Die beschriebenen Untersuchungen und Beobachtungen wurden von vielen Seiten bestätigt und waren Grundlage für das Design meiner LED-Innenbeleuchtungen. Ein ausreichender Kondensator ist integriert und fungiert als Indikator.

 

Wenn die Innenbeleuchtung anfängt zu blinzeln, wird es Zeit...

 

Hilfsmittel für die Reinigung

 

werden reichlich angeboten. Alles wirkt irgendwie, aber man weiß nicht so recht, was das Beste ist.

Das absolute Wundermittel gibt es nicht!

Es gibt nur falsche Anwendungen.

 

Altbewährte „Helferlein“ sind kleine Läppchen, aus alten Trikotagen (T-Shirts) geschnitten, flusenfrei und trocken.

 

Es eignen sich Wattestäbchen für Weichen und Doppelkreuzungsweichen, und auf längere Grillspieße aufgebrachte Stoffbällchen, um Unterführungen und Tunnelstrecken zu erreichen.

 

Vergessen Sie nicht, im Zuge der Reinigung auch die Innenflanken der Schienen und die Kontaktstellen der Weichenzungen zu Reinigen.

Für Räder, Achsen und Schleifer sind auch hier

Wattestäbchen die beste Wahl.

 

Mit Brennspiritus getränkt wischt man über die Schienen, den Erfolg erkennt man an den schwarzen Streifen am Lappen.

Alternativ kann Waschbenzin verwendet werden, oder Kaltreiniger (Bremsenreiniger), wenn gründliche Entfettung notwendig ist.

 

Auf keinen Fall Schleifpapiere und aggressive Lösungsmittel verwenden!

 

Wenn man beim Wischen mit dem Lappen irgendwo hängen bleibt, ist auch diese Stelle in Augenschein zu nehmen. Möglicherweise ist der Schienenübergang zu weit oder aus der Flucht geraten. Da sollte man dann korrigierend Hand anlegen.

 

Einmal gründlich gereinigt genügt es, wenn in der Folge ein Schienenreinigungswagen in einem Güterzug mitläuft, von Zeit zu Zeit idealerweise kombiniert mit einem Gleis-Staubsauger.

 

Ich bin immer wieder verblüfft, wie effizient die saugen.

Es spart Zeit und macht Laune!

 

Der Handel bietet ausreichend viele weitere Hilfsmittel an, es gibt aber keine ausgesprochenen Favoriten.

 

Wird fortgesetzt!
 

Speziell für Liebhaber

 

individuell angepasst

 

epochengerecht abgestimmt

 

stimmiges Ambiente

 

analog oder digital

-

deshalb Handarbeit!

 

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© Horst Kruppa, Stand: 06/2020
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